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Interview mit Prof. Claudio Mutti, “Junges Forum” n. 3 [originale tedesco]

In Italien wie auch in anderen europäischen Ländern entwickelt sich eine Zusammenarbeit von Vertretern der rechten Szene mit islamischen Kräften. In Deutschland steht ein großer Teil der Rechten dem Islam eher kritisch bis ablehnend gegenüber. Welche Gründe sind hierfür maßgeblich?

Mutti: In Italien nennen wir jenen Flügel der kollaborationistischen politischen Klasse "rechts" (destra), der in US-Präsident Bush seinen gegenwärtigen Führer sieht, während der "linke" derselben politischen Klasse (die gestern noch in Clintons Diensten stand) darauf wartet, daß Kerry ihr künftiger Führer wird.
Bei den extremen Rechten (das sind die Neofaschisten und die sogenannten Rechtsradikalen) ist der Fall anders gelagert und ebenso wirr wie widersprüchlich. In einem gewissen Bereich dieses formlosen Nebels hat immer eine explizit proislamische Einstellung vorgeherrscht, deren Wurzeln in diesen Faktoren gesucht werden muß: 1.) in der historischen Solidarität von Faschismus sowie Nationalsozialismus mit muslimischen Völkern, 2.) in der Darstellung des Islam, wie sie von traditionalen Denkern, in erster Linie von Julius Evola, vorgegeben wurde, 3.) in dem Auftauchen des Islam in den späten 1970er Jahren als eine spirituelle und politische Kraft im Kampf "gegen unsere eigenen Feinde".
Wir bemerken jedoch innerhalb dieses Nebels eine charakteristische Schizophrenie, die darin besteht, daß eine proislamische (oder proarabische) Haltung in bezug auf Palästina und den Irak eingenommen wird und eine antiislamische (oder antiarabische) Haltung in bezug auf Italien, wo der Immigrantenzustrom als "islamische Invasion" betrachtet wird, und zwar aufgrund einer Wahrnehmung, die eher eine irrationale und emotionale als eine objektive und realistische ist.
Diese Schizophrenie setzt die extreme Rechte und die radikale Rechte natürlich der Gefahr aus, ein objektiver Verbündeter der etablierten Rechten zu werden, die antieuropäisch, proamerikanisch und prozionistisch ist.

Die sogenannte multikulturelle Gesellschaft stellt ohne Zweifel eine Gefahr für Europa dar. Welche Rolle könnte oder sollte Ihrer Meinung nach der Islam in Europa spielen, und wie läßt sich hierbei die Gefahr eines "Schmelztiegels" à la USA verhindern?

Mutti: Die Sozialstruktur, die gemeinhin "multikulturell" genannt wird, ist in Wahrheit eine monokulturelle, da sie der Hegemonie oder eher noch der Exklusivexistenz nur einer einzigen Kultur bedarf: der westlichen Kultur, die in Gestalt der USA triumphiert. Die westliche Struktur, die einem Teil Europas 1945 einem anderen 1989 aufgepfropft wurde, betrachtet den Islam als seinen Erzfeind: "Für den Westen", schreibt Samuel P. Huntington, "ist das wahre Problem nicht der islamische Fundamentalismus, sondern der Islam selbst."

Es heißt, der Islam sei eine Religion, die rassische Unterschiede nicht anerkenne. Würde ein islamischer Einfluß in Europa die Rassenmischung vorantreiben?

Mutti: Der Islam bejaht ausdrücklich die Vorherrschaft des spirituellen Faktors über den biologischen. Aber aus dieser Tatsache folgt keineswegs, daß der Islam rassische Unterschiede nicht anerkennt oder sich nicht zunutze macht. Die islamische Lehre in bezug diese Diskussion ist kunstvoll in dem folgenden Koranwort ausgedrückt: "Eines Seiner [= Gottes] Wunderzeichen ist die Schöpfung der Himmel und der Erde und die Verschiedenheit euerer Sprachen und Farben" (XXX, 23, übersetzt von Ludwig Ullmann). Deshalb betrachtet der Islam "Sprachen und Farben", das heißt kulturelle und rassische Identitäten, als göttliche "Wunderzeichen".Der Fall wäre nicht so einfach gelagert, wenn der Islam nicht von Ludwig Ferdinand Clauß, der seine rassenseelische Sicht in Rasse und Charakter (1936) dargelegt hat, und von anderen Theoretikern der Rassefrage, wie Johannes von Lehrs, hochgelobt worden wäre.

Man sagt, der Islam sei eine sehr aggressive Religion, die andere Religionen nicht neben sich duldet. Julius Evola schwebte ein übernationales, überkonfessionelles Reich vor. Toleriert der Islam andere Religionen an seiner Seite?

Mutti: Als der Islam in der Geschichte die Regierungsverantwortung auf sich nahm, hat er andere Religionen angerkannt und ihren Anhängern Schutz und Autonomie gewährt. Im Omayyad-Reich [vielleicht schreibt man Omayyad im Deutschen anders???] wurden die Christen soweit respektiert, daß einer ihrer berühmten Heiligen, Johannes von Damaskus, unter dem Kalifen Finanzminister wurde; im muslimischen Spanien gedieh die Kultur der mozarabischen Christen; im Osmanischen Reich hatte der orthodoxe Patriarch stets den Rang eines Ministers des Sultans, und die christlichen Gemeinden erfreuten sich vollständiger Autonomie; im indischen Teil des Mogulreiches waren Hindus und Buddhisten dem "Volk des Buches" rechtlich gleichgestellt und genossen die hiermit verbundenen Privilegien; in der heutigen Islamischen Republik Iran haben die Christen und die Parsen ihre Abgeordneten im Parlament in Teheran.
Was Julius Evola angeht, so war seine Meinung über den Islam eine ausgesprochen positive. In Erhebung wider die moderne Welt ((dt. 1935); 2., überarb. Aufl.: Revolte gegen die moderne Welt (dt. 1982)) können wir nachlesen, daß der Islam eine "Tradition einer höheren Ebene [ist] als jene Glaubensbekenntnisse, die Europa erobert haben". [xxx Zitat prüfen!]

Die Idee "Eurasien als Bollwerk gegen Amerikanismus, Liberalismus und Materialismus" steht in Italien und anderen europäischen Ländern, soweit wir dies überblicken können, auf der Tagesordnung rechter Denkzirkel. In Deutschland ist die eurasische Idee noch weitgehend unbekannt. Wir haben in der ersten Ausgabe des neuen JUNGEN FORUMS versucht, einen Überblick über die Ideen Alexander Dugins zu geben. Halten Sie das Projekt Eurasien für realisierbar?

Mutti: Bis zum Zweiten Weltkrieg hatten Nationalstaaten wie Deutschland oder Italien oder Frankreich territoriale, demographische, ökonomische Dimensionen, die ausreichten, einen unabhängigen Staat zu bilden; heute jedoch gehört Unabhängigkeit ausschließlich jenen politischen Gebilden, die kontinentale Dimensionen haben. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde dies von Karl Haushofer erkannt, der das geopolitische Konzept eines eurasischen Kontinentalblocks von Dublin bis Wladiwostok vorstellte.
Es ist offensichtlich, daß der eurasische Kontinentalblock aus geopolitischer Notwendigkeit heraus geboren werden wird, doch sein tiefstes Fundament ist die spirituelle Einheit Eurasiens, eine Einheit, die die Vielzahl kultuereller Ausprägungen transzendiert.

Ist das nicht ein Konzept das nur von den Regierungen verwirklicht werden kann? Was können wir, die wir keine Entscheidungskompetenz auf Regierungsebene haben, dafür tun?

Mutti: Das pars destruens unseres Handelns besteht darin, dem antieuropäischen Wesen des Begriffes "Westen" die Maske vom Gesicht zu reißen. Dieser "Westen" hat es sich zum Ziel gesetzt, die Unterordnung Europas unter die Vereinigten Staaten von Amerika aufrechtzuerhalten und einen tiefen Graben zwischen Europa und dem Rest des eurasischen Kontinents zu schaffen. Die These vom "Kampf der Kulturen" müssen wir als ein ideologisches Instrument des US-Imperialismus verurteilen, das den Zweck hat, eine Reihe von Bürgerkriegen in Eurasien hervorzurufen, von denen die Vereinigten Staaten profitieren würden. Wenn ein "Kampf der Kulturen" wirklich existiert, dann treten in ihm nicht Islam und Christentum gegeneinander an, sondern die eurasische Kultur und die amerikanische Barbarei.
Als pars construens müssen wir ein eurasisches Bewußtsein schaffen und die Hinweise weiterentwickeln, die in den Schriften jener großen Vordenker enthalten sind, die die spirituelle Einheit Eurasiens aufgezeigt haben. Ich meine nicht nur die traditionalen Autoren wie René Guénon und Julius Evola, sondern auch Gelehrte der Religionsgeschichte wie Mircea Eliade und Giuseppe Tucci, Geschichtswissenschaftler wie Franz Altheim und Lew Gumilew, "klassische" Theoretiker des Eurasismus wie Nikolai Trubetzkoi und Pjotr Sawitzki.

Könnte man beim Projekt Eurasien von der Wiederbelebung des mittelalterlichen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation sprechen?

Mutti: Unter Karl dem Großen vereinte das Heilige Römische Reich den Raum zwischen Nordsee und Mittelmeer, dem Ebro und dem Adriatischen Meer. Unter Friedrich II. - dem "Genie unter den deutschen Kaisern" (Friedrich Nietzsche), dem Kaiser, der Latein und Deutsch, Griechisch und Arabisch sprach und seine Gedichte auf Italienisch schrieb - machte das Reich seinen ersten Schritt in Richtung auf eine eurasische Synthese: Nachdem er dank eines Programms "Friede, Freundschaft mit dem Islam" (Nietzsche) die Herrschaft über Jerusalem erlangt hatte, vereinte der große Staufer in sich die Charaktere eines römischen Imperators und eines deutschen Königs, eines byzantinischen Basileus' und eines muslimischen Sultans. Es ist keine einfache Angelegenheit, wenn Muslime ihn mit Alexander dem Großen vergleichen, der der erste gewesen war, der Europa und Asien zu einen versucht hatte. Heute, in der Morgendämmerung des dritten Jahrtausends, füllt mit der eurasischen Idee dergleiche Reichsgeist den weiten Raum zwischen Atlantik und Pazifik.

Inserita da C.M. il 09/10/2005 alle 02:49:30      Versione stampabile della notizia      Invia la notizia ad un amico